5 Schritte zum zuverlässigen Rückruf in einem Mehrhundehaushalt

Die Tage werden wieder länger, es wird wärmer, die Sonne kommt auch mehr aus ihrem Versteck heraus und Hundehalter begeben sich auf Wanderschaft mit ihren Vierbeinern. Die Leinen werden gelöst und dann waren es mal zwei, drei oder vier Rudelmitglieder – Herrchen/Frauchen steht alleine da. Es ist schon kein leichtes Unterfangen einen Hund dazuzubekommen, die Rückkehr anzutreten, wenn man es will, aber zwei, drei oder sogar vier Hunde gleichzeitig abrufen zu können grenzt dann schon fast an ein kleines Wunder.

Auf der Stelle zu stehen und die Namen meiner Hunde gefolgt von einem „HIER“ zu rufen, dabei die Finger zu kreuzen in der Hoffnung, dass sie denn auch kommen, hat nicht viel geholfen. Manchmal kommt einer, manchmal kommen zwei aber niemals alle zusammen.

Sie waren sicher schon auf einer Hundewiese oder wo anders, wo Ihr Hund sicher und ohne Leine herumtollen durfte. Wenn Sie wie ich einmal waren, wo die Leine gelöst worden ist und sich das Hörverständnis Ihres Hundes gänzlich verabschiedet hatte, wissen Sie wahrscheinlich, wovon ich spreche. Es ist wie, wenn sich diese pelzigen Ohren zu Stein verwandeln.

Also, wie bekommt den sicheren Abruf mehrerer Hunde gleichzeitig und unter Ablenkung hin? Hier sind ein paar Schritte für die Basisarbeit.

1. Vorbereitung

Wenn Sie nur etwas Erfahrung mit Hundetraining haben, dann wissen Sie, dass man als Erstes herausfinden muss, worauf Ihr Hund eigentlich steht und was für ihn eine sehr hohe Belohnung darstellt. Stellen Sie sich also für ein paar Tage die Frage „Für was, würde mein Hund alles stehen und liegen lassen?“

Aus meiner Erfahrung heraus sollte die Belohnung, dass Leckerchen einen sehr hohen Stellenwert haben, die ollen schnöden und trockenen Leckerchen werden sie kein Stück weiterbringen.

In meiner Arbeit setze ich gern Hundefährtenwurst ein, auf die, die meisten Hunde regelrecht fliegen und auch „schwierigen“ Essern gut vertragen wird.

Diese in kleine Stücke geschnitten, nicht all zu groß, damit der Hund sie schnell kauen bzw. schlucken kann.

Außerdem benötigen Sie eine Pfeife. Manche Trainer werden Ihnen erzählen, dass sie nur Hornpfeifen einsetzen sollen oder andere neumodische Pfeifen, aber ehrlich gesagt, spielt es überhaupt keine Rolle, welche Art von Pfeife Sie einsetzen, Hauptsache sie ist so klein, dass sie in Ihre Jacken-/Hosentasche passt und dass sie auf einer guten Entfernung gehört werden kann

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2. Trainingseinheiten planen.

Als Nächstes planen Sie etwas Zeit für das Training mit Ihrem Hund in einem reizlosen Umfeld ein, wie z. B. Ihrem Wohnzimmer oder der heimische Garten. Zwei bis fünf Minuten sind genügend Zeit. Zunächst sollten Sie mit jedem Hund einzeln arbeiten. Beginnen Sie erst später nach und nach einen weiteren Hund dem Training hinzuzufügen, wenn sich das Konzept „Pfeife bedeutet Belohnung“ im Einzelnen Hund verfestigt hat.

3. Bewaffnen Sie sich mit Pfeife und der Belohnung

Mit Ihren Leckerchen, der Pfeife und Ihrem immer bereiten Hund, kann das Training beginnen. Wenn Sie schon einmal über Clickertraining gelesen oder selbst schon einmal solch ein Training durchgeführt haben, wird dieses Vorgehen ganz einfach für Sie sein. Aber auch wenn Sie selbst noch keine Clickertraining Erfahrungen gemacht haben, keine Sorge – es wird auch hier ganz einfach sein. Die Idee besteht darin die Pfeife zu „laden“. Im Klartext bedeutet dass, dass Sie ihrem Hund beibringen, dass der Ton der Pfeife für den Hund eine Belohnung bedeutet. Statt zu clicken und dem Hund daraufhin ein Leckerchen zu geben, blasen Sie in Ihre Pfeife und belohnen dann den Hund. Wiederholen Sie dieses Training so lange, bis Ihre Leckerchen alle sind. So einfach ist das. Jeder Ihrer Hunde wird in einem anderen Tempo lernen, also sein Sie geduldig. Mein leider verstorbener Briard Cooper, zum Beispiel, brauchte drei Trainingseinheiten, mein Briard Devon hingegen nur eine.

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4. Verstärken Sie das Training

Der Schlüssel zum Erfolg bei dieser Übung ist, nach und nach die Ablenkung durch die Umgebung langsam zu erhöhen. Eine spaßige und vor allem einfache Möglichkeit ist während der Fütterung zu Hause. Bringen Sie Ihren Hund ins Sitz und gehen Sie mit seinem Futter weg. Setzen Sie die Schüssel vor sich auf dem Boden ab und lassen Sie die Pfeife erklingen. Sehen Sie zu, wie Ihr Hund auf Sie und dem Futter zugeschossen kommt, so wie Sie es sich wünschen, sobald Sie sich draußen im Freien bewegen. Sobald Ihr Hund zu Ihnen im Haus ohne Leine kommt, verlegen Sie das Training nach draußen an einer ganz normalen Leine. Schließlich wird der Hund lernen, dass der „Pfiff“ Leckerchen bedeutet und die situationale Taubheit wird nachlassen.

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5. Erhöhen Sie den Einsatz

Jetzt wo Sie wissen, dass Ihr Hund im Haus zu Ihnen zurückkommt und Sie die Pfeife draußen „geladen“ haben, ist es nun an der Zeit Ihren Hund wirklich zu testen. Ich bin mir sicher, dass Sie schon von einigen Hundetrainern gehört haben, dass Sie Ihren Hund für den Erfolg aufstellen sollen. So ist es auch! Wenn Sie denken, dass der Abruf mit der Pfeife eine viel zu große Herausforderung für Ihren Hund, anfangs darstellt, legen Sie Ihrem Hund eine lange Schleppleine an und üben Sie jeweils aus verschiedenen Entfernungen heraus. Beginnen Sie mit ein paar Metern und geben Sie Ihrem Hund nach und nach immer mehr Freiraum. Wenn Sie dabei konsequent sind und Zeit investieren, sollte diese Technik Ihnen helfen.

Einige Trainer sagen, dass man nach einer bestimmten Zeit aufhören sollte, den Hund zu belohnen, das sehe ich etwas anders und wähle dahin gehend eher die Intervall-Methode. Das bedeutet, dass, wenn die Hunde zuverlässig zu mir zurückkommen, sie nur jedes zweite oder dritte Mal auch eine Belohnung bekommen. Dies lässt Hunde hoffen und raten, wann das nächste Leckerchen wohl kommen mag, außerdem hält es das „Spiel“ bei Laune, da kommt es auf ein paar extra Leckereien nun wirklich nicht drauf an. Dafür sind die Zeiten vorbei, wo man sich die Stimme aus dem Hals brüllt und keine Antwort zurückerhält. Auch vorbei sind die Zeiten wo man hilflos und sich, wie ein Idiot fühlend, in der Botanik herumsteht, während der Hund sonst was unternimmt.

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